Ausgewertet: 300 Studien mit
527 Einzelbefunden · Stand
15.08.2026
Wichtig vorab: Es gibt bis heute keine Heilung und keine zugelassene ursächliche Behandlung für ME/CFS. Dieser Plan richtet sich deshalb gegen die einzelnen Beschwerden – er kann sie lindern, nicht die Erkrankung beenden. Wer eine Heilung verspricht, verkauft etwas. Der erste Punkt ist kein Medikament, sondern das Einhalten der eigenen Belastungsgrenze: Wird sie überschritten, verschlechtert sich alles andere mit. Jeder Schritt gehört ärztlich begleitet – auch weil Beschwerden wie Schlafstörungen oder Kreislaufprobleme andere Ursachen haben können, die behandelbar sind.
Diese Übersicht fasst den Stand der Forschung zusammen. Sie ist keine ärztliche Beratung und keine Behandlungsempfehlung. Ob eine Behandlung im Einzelfall sinnvoll ist, kann nur eine Ärztin oder ein Arzt beurteilen. Die Texte wurden automatisch erstellt und können Fehler enthalten - maßgeblich sind die verlinkten Originalstudien.
Post-Exertionelle Malaise (Zustandsverschlechterung nach Belastung)(36 Studie(n)) – Die Datenlage zu PEM ist insgesamt sehr dünn: Es handelt sich durchweg um einzelne kleine Studien am Menschen, keine davon wiederholt bestätigt. Auffällig ist, dass mehrere als "vielversprechend" eingestufte Ansätze wie Lungensport-Therapie, kombiniertes Training, Ausdauertraining oder hochintensives Intervalltraining auf körperlicher Belastung beruhen. Das ist bei PEM problematisch, da Anstrengung genau der Auslöser der Beschwerde ist. Eine einzelne Studie gilt zudem nicht als Beleg, entsprechend vorsichtig ist dieses Ergebnis zu lesen. Die frühere Empfehlung zu stufenweise steigendem Training (Graded Exercise Therapy) wurde 2021 von NICE zurückgezogen; auch in den vorliegenden Daten zeigte sie in zwei Studien keinen Wirknachweis. Ebenfalls ohne Wirknachweis blieben unbetreute Heimübungsprogramme, Physiotherapie bei PEM-Betroffenen (dort sogar als potenziell schädlich beschrieben), eine App mit Energiebudget-Warnungen, klassische multimodale Schmerztherapie mit aktivierenden Gruppenübungen, klassisches Kraft- oder Ausdauertraining in der Reha, standardisierte stationäre Reha ohne PEM-Berücksichtigung sowie allgemeine Belastungstherapie. Als unzureichend belegt, aber nicht belastungsbasiert, gelten Pacing, individuell angepasste vorsichtige Aktivierung ohne PEM-Auslösung, kognitive Verhaltenstherapie sowie niedrig dosiertes Rapamycin – auch hier jeweils nur eine bis vier Studien.
Anhaltende Erschöpfung (Fatigue)(133 Studie(n)) – Zur anhaltenden Fatigue bei ME/CFS liegt eine vergleichsweise breite, aber überwiegend kleinteilige Studienlage vor, alle genannten Untersuchungen wurden am Menschen durchgeführt. Als vielversprechend gelten nicht-belastungsbasierte Ansätze wie Pacing (7 Studien), kognitive Verhaltenstherapie (6 Studien) und Akupunktur (3 Studien), daneben einzelne kleine Studien zu Synbiotika/Probiotika und adaptivem Pacing, die aber jeweils als einzelne Studie keinen Beleg darstellen. Körperliches Training und Trainingsprogramme sind zwar am umfangreichsten erforscht (7 bzw. 2 Studien), beruhen jedoch auf körperlicher Anstrengung; die entsprechende Empfehlung zu ansteigendem Training wurde 2021 von NICE zurückgezogen, weshalb sie hier nicht als erste Wahl gelten können. Als unwirksam zeigten sich in Einzelstudien unter anderem Graded Exercise Therapy, unbetreute Heimübungsprogramme, Ondansetron, Avacopan, helle Lichttherapie, Gruppentherapie in KVT-Form, eine Pacing-App mit Energiebudget-Warnungen sowie einzelne Nervenstimulationsverfahren allein. Insgesamt bleibt die Evidenz zu den meisten Ansätzen dünn.
Nicht erholsamer Schlaf und Schlafstörungen(33 Studie(n)) – Die Datenlage zu nicht erholsamem Schlaf bei ME/CFS ist insgesamt sehr dünn. Es liegen keine großen, belastbaren Studien vor, sondern überwiegend einzelne kleine Untersuchungen am Menschen, die jeweils nur als vorläufiger Hinweis gelten können und keinen gesicherten Beleg darstellen.
Zu Bewegungstherapie und Trainingsprogrammen liegen zwar mehrere Studien vor, diese beruhen jedoch auf körperlicher Belastung. Da Anstrengung bei ME/CFS die Post-Exertionelle Malaise auslösen kann, sind sie nicht als erste oder bevorzugte Option zu betrachten. Die entsprechende Empfehlung zu ansteigendem Training wurde 2021 von der britischen Leitlinienbehörde NICE zurückgezogen.
Als vielversprechend, aber jeweils nur durch eine einzelne kleine Studie am Menschen gestützt, gelten Probiotika, adaptives Pacing, Photobiomodulationstherapie, Schröpfen, Tuina-Massage, Solriamfetol sowie kognitive Verhaltenstherapie im Vergleich zu Training. Keine dieser Maßnahmen kann aufgrund nur einer Studie als gesichert gelten. Unwirksame Maßnahmen wurden in den ausgewerteten Daten zu dieser Beschwerde nicht benannt.
Schmerzen (Muskeln, Gelenke, Kopf)(46 Studie(n)) – Die Datenlage zu Muskel-, Gelenk- und Kopfschmerzen bei ME/CFS ist insgesamt sehr dünn: Zu jedem genannten Ansatz liegt jeweils nur eine einzelne Studie am Menschen vor, keine davon wurde in weiteren Studien wiederholt oder bestätigt. Das reicht nicht als Beleg, sondern liefert bestenfalls erste Hinweise.
Genannt werden unter anderem Pacing, normale medizinische Versorgung, Photobiomodulationstherapie, Stellate Ganglion Block, Tuina-Massage zusätzlich zur üblichen Versorgung, Solriamfetol sowie eine HPV-Impfung – alle als "vielversprechend" eingestuft, aber eben nur einfach untersucht.
Auch körperliches Training (Ausdauer-, Kraft- und Wassertraining) taucht in den Daten auf. Da Anstrengung bei ME/CFS die Post-Exertionelle Malaise auslösen kann, ist hier besondere Zurückhaltung angebracht; die entsprechende Trainingsempfehlung wurde 2021 von NICE zurückgezogen.
Als unwirksam zeigten sich in den ausgewerteten Studien die klassische multimodale Schmerztherapie mit aktivierenden Gruppenübungen sowie Graded Exercise Therapy (GET).
Kognitive Störungen („Brain Fog“)(45 Studie(n)) – Die Datenlage zu Brain Fog bei ME/CFS ist insgesamt dünn und besteht überwiegend aus einzelnen, kleinen Studien am Menschen, die für sich genommen keinen echten Beleg darstellen. Am häufigsten untersucht ist kognitive Verhaltenstherapie (12 Studien am Menschen), sie gilt als „erforscht“, ersetzt aber keine ursächliche Behandlung der kognitiven Symptome. Ansätze wie körperliches Training im Vergleich zu KVT oder KVT im Vergleich zu Training zeigen sich zwar als „vielversprechend“, beruhen jedoch auf körperlicher Belastung – hier ist Vorsicht geboten, da Anstrengung bei ME/CFS die Post-Exertionelle Malaise auslösen kann. Die entsprechende NICE-Empfehlung zu ansteigendem Training wurde 2021 zurückgezogen. Weitere als „vielversprechend“ eingestufte, aber nur auf je einer Studie beruhende Ansätze sind kognitive Umstrukturierung, angeleitete Selbsthilfe-KVT und Solriamfetol. Mehrere digitale Angebote und eine interprofessionelle Telekonsultation gelten als unzureichend belegt. Als unwirksam zeigten sich in je einer Studie transkranielle Gleichstromstimulation und helle Lichttherapie.
Kreislaufbeschwerden im Stehen (orthostatische Intoleranz, POTS)(18 Studie(n)) – Die Datenlage zu Kreislaufbeschwerden im Stehen bei ME/CFS ist insgesamt dünn. Für Midodrin und Pyridostigmin liegt jeweils eine kleine Anzahl an Humanstudien vor (eine bzw. zwei), die als vielversprechend eingestuft werden – das reicht jedoch nicht für eine gesicherte Aussage, da einzelne kleine Studien keinen Beleg darstellen. Auch die HPV-Impfung im Rahmen von Impfprogrammen zeigt in einer Humanstudie vielversprechende Hinweise, ebenfalls unbestätigt durch weitere Forschung.
Zu allgemeinen medikamentösen und nicht-medikamentösen Maßnahmen bei POTS, zu Kreislaufmedikamenten allgemein, zu Hormonersatztherapie und Östrogenpflastern sowie zu niedrig dosiertem Rapamycin liegt jeweils nur eine einzelne Humanstudie vor, die als unzureichend belegt gilt. Diese Ansätze können derzeit nicht als wirksam bewertet werden.
Bewegungstraining wurde ebenfalls nur in einer Studie untersucht und ist unzureichend belegt. Diese Maßnahme beruht auf körperlicher Anstrengung; die entsprechende NICE-Empfehlung zu ansteigendem Training wurde 2021 zurückgezogen, da Anstrengung bei ME/CFS die Post-Exertionelle Malaise auslösen kann. Als unwirksam hat sich in den vorliegenden Daten nichts eindeutig gezeigt – die Studienlage reicht schlicht nicht aus, um klare Aussagen zu treffen.
Überempfindlichkeit gegenüber Reizen(16 Studie(n)) – Die Datenlage zu Reizüberempfindlichkeit bei ME/CFS ist insgesamt sehr dünn. Es liegen nur einzelne, kleine Studien vor, die jeweils an Menschen durchgeführt wurden, aber keine davon reicht als gesicherter Beleg aus. Als vielversprechend, wenn auch nur auf Basis je einer Studie, gelten Photobiomodulationstherapie (Lichttherapie mittels Laser) sowie ein multimodales Begleitprogramm aus Vitamin D, Ernährungsberatung, Sonnenlicht-Empfehlungen und Bewegung. Für zahlreiche weitere Ansätze wie Wasserstoffwasser, Lichtexposition, N-Acetylcystein in unterschiedlichen Mengen oder rein multimodale Therapien mit Schlaf- und Psychoedukation reicht die Studienlage bislang nicht aus, um eine Wirksamkeit zu belegen. Auch face-to-face Rehabilitation, reines aerobes Ausdauertraining und die Kombination aus multimodaler Therapie mit Ausdauertraining sind unzureichend belegt und beruhen zudem auf körperlicher Anstrengung, die bei ME/CFS die Post-Exertionelle Malaise auslösen kann. Die entsprechende Empfehlung zu ansteigendem Training wurde 2021 von NICE zurückgezogen. Als unwirksam zeigte sich in den ausgewerteten Studien helle Lichttherapie mit 10.000 Lux.
Magen-Darm-Beschwerden(15 Studie(n)) – Die Datenlage zu Magen-Darm-Beschwerden bei ME/CFS ist insgesamt dünn. Für Synbiotika/Probiotika zur Beeinflussung des Darmmikrobioms, für Pflanzenstoffe mit Wirkung auf das Mikrobiom, für die Qigong-Methode „Prolong Life With Nine Turn Method“ sowie für Kognitive Verhaltenstherapie liegt jeweils nur eine einzelne Studie am Menschen vor, die als vielversprechend eingestuft wird – das reicht jedoch nicht als gesicherter Beleg.
Für weitere Ansätze wie Probiotika mit Bacillus coagulans und Bacillus subtilis (drei Studien am Menschen), Mittelmeer-Diät, Low-FODMAP-Diät, ballaststoffreiche bzw. mediterrane Kost, SCFA-Ergänzungen und fäkale Mikrobiota-Transplantation gilt die Studienlage jeweils als unzureichend belegt, meist gestützt auf nur eine Studie am Menschen.
Ausdrücklich als unwirksam hat sich in den ausgewerteten Studien keine der genannten Methoden gezeigt – die Kategorie „ohne Wirknachweis“ ist hier leer. Insgesamt lässt sich also derzeit keine Behandlung als gut belegt bezeichnen, sondern nur als vorläufig interessant oder als offen.
Grippeähnliche Beschwerden und Infektanfälligkeit(51 Studie(n)) – Die Datenlage zu grippeähnlichen Beschwerden und erhöhter Infektanfälligkeit bei ME/CFS ist insgesamt sehr dünn. Zu jedem der untersuchten Ansätze liegt jeweils nur eine einzelne Studie am Menschen vor, was für einen verlässlichen Nachweis nicht ausreicht.
Als vielversprechend eingestuft wurden Massage, ein multimodales Begleitprogramm aus Vitamin D, Ernährungsberatung, Sonnenlicht-Empfehlungen und Bewegung, sowie niedrig dosiertes Rapamycin. Auch kognitive Verhaltenstherapie im Vergleich zu Training zeigte sich vielversprechend, beruht aber auf körperlicher Anstrengung und wird deshalb hier nicht als erste Wahl genannt; die entsprechende NICE-Empfehlung zu ansteigendem Training wurde 2021 zurückgezogen, da Anstrengung bei ME/CFS die Post-Exertionelle Malaise auslösen kann.
Als unzureichend belegt gelten immunmodulierende Medikamente, gegen fehlgeleitete Antikörper gerichtete Immuntherapien, Mittelmeer-Diät, Low-FODMAP-Diät, medikamentöse Ansätze gegen oxidativen Stress sowie die epipharyngeale Abrasivtherapie.
Für Anakinra zeigte die eine vorliegende Studie keinen Wirknachweis.
Seelische Belastung durch die Erkrankung(69 Studie(n)) – Die seelische Belastung durch ME/CFS ist eine nachvollziehbare Folge einer schweren, oft nicht anerkannten Erkrankung – sie ist keine psychische Ursache der Erkrankung selbst. Diese Unterscheidung ist wichtig, da die falsche Einordnung Betroffenen jahrzehntelang geschadet hat.
Die verfügbaren Daten zu dieser Beschwerde stammen überwiegend aus Untersuchungen, die primär körperliche Symptome betrachten, nicht speziell die seelische Belastung. Am ehesten berührt wird sie durch den direkten Vergleich von körperlichem Training und kognitiver Verhaltenstherapie (2 Studien am Menschen, als "erforscht" eingestuft). Adaptive Pacing, also die individuelle Dosierung von Aktivität, zeigt sich in einer einzelnen Studie am Menschen als vielversprechend – das ist jedoch keine Bestätigung, sondern ein erster Hinweis.
Zu Trainingsformen wie Bewegungs-, Ausdauer-, Kraft- oder Intervalltraining liegen ebenfalls einzelne Studien vor. Diese Ansätze beruhen auf körperlicher Anstrengung, die bei ME/CFS die Post-Exertionelle Malaise auslösen kann. Die 2021 von NICE zurückgezogene Empfehlung zu ansteigendem Training sollte hier ausdrücklich mitgedacht werden.
Vitamin E sowie Vitamine und Mineralstoffe allgemein zeigten in je einer Studie keine Wirkung. Insgesamt ist die Datenlage zur seelischen Belastung selbst sehr dünn – belastbare Aussagen lässt sie bislang kaum zu.