Medikamentoese Behandlung bei ME/CFS - Stand der Forschung
Ausgewertet: 129 Studien mit
191 Einzelbefunden · Stand
12.08.2026
Wichtig vorab: Keiner der hier genannten Wirkstoffe ist zur Behandlung von ME/CFS zugelassen. Was in Studien geprüft wurde, wurde meist gegen einzelne Beschwerden eingesetzt, nicht gegen die Erkrankung selbst. Verschreibungspflichtige Medikamente gehören in ärztliche Hand – wegen Dosierung, Wechselwirkungen und Vorerkrankungen. Frei verkäufliche Mittel sind deswegen nicht harmlos, sondern nur weniger kontrolliert: Auch sie können Wechselwirkungen haben und andere Behandlungen stören. Diese Übersicht zeigt, was untersucht wurde – sie sagt nicht, was Sie einnehmen sollten.
Diese Übersicht fasst den Stand der Forschung zusammen. Sie ist keine ärztliche Beratung und keine Behandlungsempfehlung. Ob eine Behandlung im Einzelfall sinnvoll ist, kann nur eine Ärztin oder ein Arzt beurteilen. Die Texte wurden automatisch erstellt und können Fehler enthalten - maßgeblich sind die verlinkten Originalstudien.
Einordnung
Es gibt derzeit kein zugelassenes Medikament gegen ME/CFS selbst. Was untersucht wurde, richtet sich meist gegen einzelne Beschwerden wie Kreislaufprobleme, Erschöpfung oder Schlafstörungen – nicht gegen die Erkrankung als Ursache.
Bei verschreibungspflichtigen Mitteln zeigt die Studienlage bei Ivabradin, Betablockern, Midodrin, Pyridostigmin, niedrig dosiertem Rapamycin, der HPV-Impfung im Impfprogramm, Solriamfetol sowie den TCM-Präparaten Ciwujia- und Guipi-Granulat vielversprechende Einzelergebnisse – jeweils gestützt auf nur eine oder wenige Studien, was keine gesicherte Wirksamkeit bedeutet. Bei Betablockern gab es zudem einen negativen Befund. Als unzureichend belegt gelten unter anderem Low-Dose Naltrexone, Metformin, Ketamin, Midazolam, C1-Esterase-Inhibitor-Infusionen, immunmodulierende Ansätze und Medikamente gegen POTS oder Kreislaufprobleme – hier reicht die Datenlage schlicht nicht aus. Für Low-Dose Naltrexone laufen derzeit drei weitere Studien, für Pyridostigmin eine – das ist ein Ausblick, kein Wirknachweis.
Bei frei verkäuflichen Mitteln und Nahrungsergänzung zeigen Probiotika, Synbiotika, bestimmte Pflanzenstoffe zur Mikrobiom-Beeinflussung, der Hirschgeweih-Extrakt YC-1101 und Vitamin-D-Präparate vielversprechende, aber ebenfalls nur einzelne oder wenige Studien. Unzureichend belegt sind Coenzym Q10, Curcumin mit Phosphatidylcholin, wasserstoffreiches Wasser, traditionelle chinesische Medizin, Kampo-Medizin, SCFA-Ergänzungen, Xiaoyao San und Heilerde. Für Wasserstoffwasser läuft eine weitere Studie. Mehrere Substanzen wie Ginseng-Stengel-Blatt-Saponine, bestimmte Polysaccharide, die Kombination Saxagliptin/Myo-Inositol und mehrere Kräuterdekokte wurden bislang ausschließlich im Labor, nicht am Menschen geprüft.
Negative Befunde liegen laut Datenlage nur bei den Betablockern vor. Auch frei verkäufliche Mittel sind nicht automatisch harmlos: Sie können Wechselwirkungen haben und andere Behandlungen beeinflussen. Verschreibungspflichtige Medikamente gehören wegen Dosierung, Wechselwirkungen und Vorerkrankungen in ärztliche Hand. Diese Übersicht zeigt, was bislang untersucht wurde – sie ersetzt keine individuelle medizinische Beratung.
Verschreibungspflichtige Medikamente
In Erforschung, mit ersten positiven Hinweisen
HPV-Impfung (Impfprogramm)(1 Studie(n), davon 1 am Menschen) – **HPV-Impfung (Impfprogramm)**
Zu diesem Thema liegt bislang eine Studie vor – eine Metaanalyse mit Daten aus Untersuchungen am Menschen. Die Auswertung zeigt, dass die HPV-Impfung das Risiko für Gebärmutterhalskrebs und Krebsvorstufen bei Impfung bis zum 16. Lebensjahr um bis zu 80 % senken kann und auch die Häufigkeit von Genitalwarzen reduziert. Ein erhöhtes Risiko für ME/CFS, POTS, Lähmungen, komplexes regionales Schmerzsyndrom, vorzeitige Wechseljahre oder Unfruchtbarkeit wurde in dieser Auswertung nicht gefunden; negative Befunde liegen nicht vor. Einschränkend ist zu nennen, dass die Evidenzqualität als moderat eingestuft wird, bevölkerungsweite Daten zu seltenen schweren Nebenwirkungen fehlen und die eingeschlossenen Studien möglicherweise uneinheitlich waren. Insgesamt handelt es sich um eine einzelne Datenquelle, weitere Forschung könnte das Bild noch verändern.
Ivabradin(1 Studie(n), davon 1 am Menschen) – Ivabradin wird als Medikament zur Behandlung von ME/CFS als vielversprechend eingestuft, wobei die Datenlage sehr begrenzt ist: Insgesamt liegt bislang eine Studie vor, ein systematischer Review, der sich auf Untersuchungen am Menschen bezieht. Darin wurden in mehreren Studien positive Effekte auf die Herzfrequenz beobachtet. Negative Befunde wurden nicht berichtet. Allerdings bestehen wichtige Einschränkungen: Es fehlen grosse, gut kontrollierte Studien, und die Gesamtbeweislage wird als schwach eingeschätzt. Diese Übersicht beschreibt ausschliesslich den aktuellen Forschungsstand und stellt keine Behandlungsempfehlung dar.
Betablocker(2 Studie(n), davon 2 am Menschen) – Betablocker gelten aktuell als vielversprechend, die Datenlage ist jedoch noch dünn: Es liegen bislang 2 Studien vor, beide am Menschen. Ein systematischer Review berichtet über mehrere Studien positive Effekte auf die Herzfrequenz, betont aber, dass keine großen, gut kontrollierten Studien existieren und die Gesamtbeweislage insgesamt schwach ist. Eine weitere Untersuchung fand keinen Unterschied in der Wirkung zwischen Patient:innen mit und ohne MCAS – hier beruhten die Angaben auf Selbstauskünften, es gab keine Randomisierung, und die Größe der Untergruppen blieb unklar. Insgesamt handelt es sich also um erste Hinweise auf mögliche Effekte, die noch nicht durch belastbare, methodisch starke Studien abgesichert sind.
Midodrin(1 Studie(n), davon 1 am Menschen) – Midodrin wird bei ME/CFS als vielversprechend eingestuft, wobei die Datenlage bislang sehr dünn ist: Es liegt lediglich eine Studie vor, ein systematischer Review, der sich auf Untersuchungen am Menschen stützt. Dieser lieferte nur einzelne Hinweise auf eine mögliche Verbesserung der Kreislaufregulation. Negative Befunde wurden nicht berichtet. Allerdings ist die Einschränkung deutlich zu betonen: Es handelt sich um vereinzelte Studien, die keine belastbare Evidenz liefern. Der aktuelle Forschungsstand erlaubt somit keine gesicherte Aussage darüber, ob und wie stark Midodrin bei ME/CFS wirksam ist. Weitere, umfangreichere Untersuchungen wären nötig, um die vorläufigen Hinweise zu bestätigen oder zu widerlegen.
Pyridostigmin(3 Studie(n), davon 3 am Menschen) – Pyridostigmin wird bei ME/CFS als vielversprechend eingestuft, basierend auf insgesamt 3 Studien, die alle am Menschen durchgeführt wurden. Negative Befunde liegen keine vor. Ein systematischer Review fand lediglich einzelne Hinweise auf eine mögliche Verbesserung der Kreislaufregulation, ohne belastbare Evidenz. Eine weitere Studie mit 20 Teilnehmenden zeigte, dass die maximale Handkraft nach Belastung ohne Medikament im Schnitt um 4,65 kg sank, während sie mit Pyridostigmin um etwa 2,6 kg anstieg. Zudem verringerte sich der Anstieg der Herzfrequenz beim Aufstehen von 17 auf 13 Schläge pro Minute, was auf eine verbesserte orthostatische Funktion hindeutet. Diese Ergebnisse stammen jedoch aus einer sehr kleinen, nicht randomisierten Studie ohne klassische Kontrollgruppe und beruhen auf kurzfristigen Messungen. Insgesamt handelt es sich um vorläufige Ergebnisse mit begrenzter Aussagekraft, die weiterer, umfangreicherer Forschung bedürfen.
Rapamycin (niedrig dosiert)(2 Studie(n), davon 2 am Menschen) – **Rapamycin (niedrig dosiert)**
Zu niedrig dosiertem Rapamycin liegen bisher 2 Studien vor, beide am Menschen. Die Einstufung des Forschungsstands lautet "vielversprechend". In einer kleinen Pilotstudie linderte Rapamycin bei Respondern nach 90 Tagen Erschöpfungssymptome und beeinflusste offenbar den Purin-Stoffwechsel, die mitochondriale Energieproduktion und Entzündungsreaktionen der Mikroglia. Eine Beobachtungsstudie mit 70 Teilnehmenden zeigte bei 74% Verbesserungen bei Erschöpfung, Post-Exertioneller Malaise und Kreislaufproblemen im Stehen, begleitet von passenden Veränderungen bei Autophagie-Blutwerten; schwere Nebenwirkungen traten nicht auf. Negative Befunde wurden in keiner der beiden Studien berichtet. Beide Studien weisen jedoch deutliche Einschränkungen auf: keine Placebo-Kontrolle, keine Verblindung, sehr kleine Stichproben, kurze Nachbeobachtungszeit (30 bzw. 90 Tage) und teilweise nur Analyse bei Respondern. Die Ergebnisse gelten daher als vorläufig; eine Bestätigung durch grössere, kontrollierte Studien steht noch aus.
Compound Ciwujia Granulat (Eleutherococcus/Taigawurzel-Präparat)(1 Studie(n), davon 1 am Menschen) – Zu Compound Ciwujia Granulat, einem Präparat aus der Taigawurzel, liegt bislang eine randomisierte kontrollierte Studie am Menschen mit 224 Teilnehmenden vor. Nach sechs Wochen zeigte sich eine Verbesserungsrate der Erschöpfung von 74%, mit stärkerer Verbesserung körperlicher und geistiger Erschöpfung sowie TCM-Symptomwerten im Vergleich zur Guipi-Vergleichsgruppe. Schwere Nebenwirkungen wurden nicht berichtet, negative Befunde liegen nicht vor. Allerdings bestehen wichtige Einschränkungen: Verglichen wurde nicht mit einem wirkstofffreien Placebo, sondern mit einem anderen aktiven TCM-Präparat. Die Studienpopulation wurde nach einem TCM-Diagnosemuster (Schwäche von Herz und Milz) ausgewählt, das nicht direkt der westlichen ME/CFS-Definition entspricht. Zudem war die Studiendauer mit sechs Wochen kurz, und es handelt sich um eine Einzelstudie, sodass eine unabhängige Bestätigung bislang fehlt.
Guipi Granulat (TCM-Vergleichspräparat)(1 Studie(n), davon 1 am Menschen) – **Guipi Granulat (TCM-Vergleichspräparat)**
Zu Guipi Granulat liegt bislang eine randomisierte kontrollierte Studie am Menschen mit 224 Teilnehmenden vor. Nach sechs Wochen zeigte sich eine Verbesserungsrate der Erschöpfung von 53%, wobei die Wirkung geringer ausfiel als bei dem Vergleichspräparat Ciwujia-Granulat. Schwere Nebenwirkungen wurden nicht berichtet, negative Befunde liegen nicht vor. Allerdings bestehen deutliche Einschränkungen: Es fehlte ein Placebovergleich ohne Wirkstoff, sodass unklar bleibt, wie viel der Verbesserung auf die Substanz selbst zurückgeht. Zudem basierte die Diagnose auf einem TCM-spezifischen Muster, das sich nicht direkt auf die westliche Definition von ME/CFS übertragen lässt. Die Studiendauer war kurz, und es handelt sich um eine Einzelstudie, deren Ergebnisse bislang nicht unabhängig wiederholt wurden. Insgesamt reicht die vorhandene Datenlage nicht aus, um verlässliche Aussagen über Wirksamkeit oder Sicherheit bei ME/CFS zu treffen.
Solriamfetol(1 Studie(n), davon 1 am Menschen) – **Solriamfetol** wurde bisher in einer einzigen Studie am Menschen untersucht, einer randomisierten kontrollierten Studie mit 38 Teilnehmenden. Nach 8 Wochen zeigte sich im Vergleich zu Placebo eine signifikante Verbesserung der Erschöpfungssymptome (gemessen mit dem FSI) sowie Verbesserungen der exekutiven Funktionen (BRIEF-A), insbesondere bei Konzentration und Organisation. Als Nebenwirkungen wurden Schlafprobleme und Kopfschmerzen genannt, insgesamt wurde die Behandlung als gut verträglich beschrieben. Negative Befunde liegen aus dieser Studie nicht vor. Einschränkend ist zu nennen, dass es sich um eine Einzelstudie mit kleiner Stichprobengröße und kurzer Studiendauer handelt; Langzeitdaten fehlen. Die Ergebnisse müssten in größeren, weiteren Studien bestätigt werden, bevor verlässlichere Aussagen zur Wirkung möglich sind.
Medikamentöse Behandlung (unspezifiziert)(1 Studie(n), davon 1 am Menschen) – **Medikamentöse Behandlung (unspezifiziert)**
Zu dieser Behandlung liegt bislang lediglich eine einzige Studie am Menschen vor, sodass die Einstufung "unzureichend belegt" lautet. Es handelt sich um eine Beobachtungsstudie mit 629 Teilnehmenden, in der Beschwerden bei den meisten Betroffenen gleich blieben oder sich leicht besserten, während es bei manchen zu einer Verschlechterung kam. Genaue Zahlen oder konkrete Wirkstoffangaben werden nicht genannt, weshalb keine Aussage darüber möglich ist, welche Medikamente untersucht wurden. Die Studie ist eine Querschnittsbefragung ohne Kontrollgruppe, die auf Selbstauskünften der Teilnehmenden beruht. Dadurch lässt sich weder eine Kausalität noch eine tatsächliche Wirksamkeit ableiten. Negative Befunde im engeren Sinne wurden nicht berichtet, jedoch weist die beobachtete Verschlechterung bei einem Teil der Betroffenen auf mögliche unerwünschte Effekte hin. Insgesamt reicht die vorhandene Datenlage nicht aus, um verlässliche Schlussfolgerungen über den Nutzen oder die Risiken medikamentöser Behandlungen bei ME/CFS zu ziehen.
C1-Esterase-Inhibitor-Infusion(1 Studie(n), davon 1 am Menschen) – **C1-Esterase-Inhibitor-Infusion**
Zu dieser Behandlung liegt bislang nur eine klinische Studie am Menschen vor, mit 36 Teilnehmenden. Sie fand leichte Verbesserungen bei Depression, Erschöpfung und Schmerzen. Nach Rückkehr zur Placebo-Phase blieben manche dieser Effekte bestehen, andere bildeten sich wieder zurück. Negative Befunde wurden nicht berichtet. Die Studie weist jedoch deutliche Einschränkungen auf: Die Stichprobe war klein, die Behandlungsdauer mit acht Wochen kurz, das Crossover-Design bot keine langfristige Nachbeobachtung, und die Wirksamkeit gilt nicht als strikt bestätigt. Insgesamt wird der Forschungsstand daher als unzureichend belegt eingestuft – es braucht weitere, umfangreichere Untersuchungen, um verlässlichere Aussagen treffen zu können.
Ketamin(1 Studie(n), davon 1 am Menschen) – **Ketamin: Forschungsstand**
Zu Ketamin bei ME/CFS liegt bislang nur eine Studie vor, die am Menschen durchgeführt wurde. Es handelt sich um eine randomisierte kontrollierte Studie mit lediglich 10 Teilnehmenden, die im Crossover-Design Ketamin mit der Vergleichssubstanz Midazolam verglich. Ein statistisch gesicherter Unterschied zwischen den Substanzen bei der Reduktion von Fatigue zeigte sich nicht. Einen Tag nach der Infusion war zwar der stärkste Rückgang der Erschöpfung zu beobachten (fast 39%), dieser könnte jedoch durch Übertragungseffekte zwischen den Testphasen verzerrt sein. Wichtige Einschränkungen der Studie sind die sehr kleine Stichprobe, eine heterogene Erkrankungsgruppe, die nicht ausschließlich aus ME/CFS-Betroffenen bestand, das Crossover-Design mit möglichen Übertragungseffekten sowie das Fehlen eines statistisch signifikanten Ergebnisses. Die Autoren selbst betonen den vorläufigen Charakter ihrer Befunde. Insgesamt ist die Datenlage zu Ketamin bei ME/CFS als unzureichend belegt einzustufen.
Ohne nachgewiesene Wirkung oder mit Hinweis auf Schaden
Nirmatrelvir/Ritonavir(1 Studie(n), davon 1 am Menschen) – **Nirmatrelvir/Ritonavir**
Zu Nirmatrelvir/Ritonavir liegt bislang lediglich eine Studie am Menschen vor. Diese kommt zu einem negativen Befund: Der Wirkstoff wird demnach nicht zur Behandlung von Long COVID empfohlen. Die Studienqualität wird dabei als überwiegend niedrig bis mittel eingestuft, zudem ist der genaue Studientyp nicht näher bekannt. Auf Basis dieser einzelnen Untersuchung wird Nirmatrelvir/Ritonavir in der Kategorie „ohne Wirknachweis“ eingeordnet. Angesichts der dünnen Datenlage – nur eine Studie ohne belegte Wirkung und mit eingeschränkter Aussagekraft – lässt sich derzeit keine verlässliche Einschätzung zur Wirksamkeit dieser Behandlung bei ME/CFS beziehungsweise Long COVID treffen.
Kortison-Präparate(1 Studie(n), davon 1 am Menschen) – Kortison-Präparate wurden im Rahmen dieser Auswertung in insgesamt einer Studie untersucht, die am Menschen durchgeführt wurde. Diese Studie kommt zu einem negativen Befund: Kortison-Präparate werden demnach nicht zur Behandlung von Long COVID empfohlen. Die Qualität der zugrunde liegenden Studie wird als überwiegend niedrig bis mittel eingestuft, was die Aussagekraft der Ergebnisse einschränkt. Auf Basis dieser einen Studie wird die Behandlung insgesamt als „ohne Wirknachweis“ eingestuft. Weitere Studien, insbesondere mit höherer methodischer Qualität, liegen laut den vorliegenden Daten nicht vor.
Ondansetron(1 Studie(n), davon 1 am Menschen) – Zu Ondansetron liegt bislang eine Studie am Menschen vor, mit 67 Teilnehmenden. Diese fand keinen signifikant unterschiedlichen Effekt zwischen Ondansetron und Placebo hinsichtlich Müdigkeit (gemessen mit CIS-Fatigue) und Alltagsfunktion (gemessen mit SIP-8) nach zehn Wochen Behandlung. Es handelt sich also um einen negativen Befund: Ein Nutzen konnte in dieser Untersuchung nicht nachgewiesen werden. Einschränkend ist zu nennen, dass die Stichprobe mit 67 Personen relativ klein war, sodass kleinere Effekte durch die Studie nicht sicher ausgeschlossen werden können. Insgesamt wird Ondansetron auf Basis dieser einzelnen Studie als Behandlung ohne Wirknachweis eingestuft.
Anakinra(1 Studie(n), davon 1 am Menschen) – Anakinra wurde bisher in nur einer Studie am Menschen mit 50 Teilnehmerinnen untersucht. Die Behandlung zeigte dabei keine Wirkung: Die gemessenen Zytokine veränderten sich nicht. Damit liegt für Anakinra bislang kein Wirknachweis vor. Einschränkend ist zu nennen, dass die Studie klein war und ausschließlich Frauen einschloss, weshalb die Ergebnisse als vorläufig einzustufen sind. Weitere Forschung wäre nötig, um belastbarere Aussagen zu treffen.
Betamethason/Prednisolon (stark wirksame Glukokortikoide)(1 Studie(n), davon 1 am Menschen) – Zu stark wirksamen Glukokortikoiden wie Betamethason oder Prednisolon bei ME/CFS liegt lediglich eine einzige Studie vor, ein Fallbericht am Menschen mit nur einer teilnehmenden Person. Der Wirknachweis fehlt daher vollständig, weshalb die Behandlung als "ohne Wirknachweis" eingestuft wird. Der dokumentierte Befund ist zudem negativ: Bei der betroffenen Person löste die Behandlung eine schwere manische Episode mit Wahnvorstellungen aus, die eine psychiatrische Klinikeinweisung notwendig machte. Wichtige Einschränkungen sind zu beachten: Es handelt sich um einen einzelnen Fallbericht ohne Kontrollgruppe, sodass keine verallgemeinerbaren Schlüsse möglich sind. Zudem lag bei der Person eine bipolare Störung als Vorerkrankung vor, die für die beobachtete Reaktion möglicherweise entscheidend war. Insgesamt lässt die extrem dünne Datenlage keine Aussage über Nutzen oder allgemeine Risiken dieser Medikamente bei ME/CFS zu.
Avacopan(1 Studie(n), davon 1 am Menschen) – Zu Avacopan liegt bislang lediglich eine Studie vor, die am Menschen durchgeführt wurde – konkret ein Fallbericht mit nur drei Patienten. Diese Personen waren nicht wegen ME/CFS, sondern wegen ANCA-Vaskulitis behandelt worden. Berichtet wurde ein negativer Befund: Während der Einnahme von Avacopan traten starke Schläfrigkeit und deutlich verstärkte Fatigue auf, die sich nach Absetzen des Medikaments rasch wieder besserten. Die Aussagekraft dieser Beobachtung ist jedoch stark eingeschränkt: Es handelt sich um eine sehr kleine Fallserie ohne Kontrollgruppe, ausschließlich bei Vaskulitis-Patienten, ohne konkrete Zahlen zum Ausmaß der Fatigue-Symptome. Eine kausale Verbindung zwischen Avacopan und den beobachteten Effekten lässt sich daraus nicht ableiten. Insgesamt wird Avacopan auf Basis dieser einzigen, sehr limitierten Untersuchung als Behandlung „ohne Wirknachweis“ bei ME/CFS eingestuft.
Nahrungsergänzung, Phytotherapie und frei verkäufliche Mittel
In Erforschung, mit ersten positiven Hinweisen
Probiotika(5 Studie(n), davon 5 am Menschen) – Zu Probiotika liegen 5 Studien vor, alle am Menschen durchgeführt; negative Befunde wurden keine berichtet. Die Einstufung lautet „vielversprechend". Ein systematischer Review mit 762 Teilnehmenden fand Veränderungen in Ruhezustands-Netzwerken des Gehirns, verringerte Reaktionen auf negative Reize und verbesserte Schlafqualität – allerdings ohne direkten Bezug zu ME/CFS und bei sehr heterogenen Teilnehmergruppen. Weitere Übersichtsarbeiten berichten uneinheitliche Effekte auf Darmbakterien-Veränderungen, teils ganz ohne konkrete Ergebnisse. Ein Einzelfallbericht beschreibt eine zeitliche Übereinstimmung von Probiotika-Einnahme mit Besserung der Erschöpfung und geringerer Darmdurchlässigkeit, jedoch ohne gesicherten Kausalzusammenhang. Insgesamt handelt es sich um eine methodisch schwache, kleine und heterogene Studienlage ohne große, langfristige Untersuchungen speziell zu ME/CFS. Die vorliegenden Daten erlauben daher nur vorläufige Aussagen zum Forschungsstand.
Synbiotika/Probiotika zur Beeinflussung des Darmmikrobioms(1 Studie(n), davon 1 am Menschen) – **Synbiotika/Probiotika zur Beeinflussung des Darmmikrobioms**
Zu diesem Ansatz liegt bislang eine Studie vor, ein systematischer Review mit insgesamt 790 Teilnehmenden, der ausschließlich am Menschen durchgeführt wurde. Dabei zeigten sich bei manchen Ansätzen zur Beeinflussung der Darmflora Verbesserungen im Bereich Erschöpfung. Negative Befunde wurden nicht berichtet. Allerdings bestehen deutliche Einschränkungen: Der Review fasst mehrere kleine und sehr unterschiedliche Einzelstudien zusammen, ohne dass die Ergebnisse der jeweiligen Interventionen einzeln aufgeschlüsselt werden. Dadurch lässt sich nicht nachvollziehen, welche konkreten Präparate, Dosierungen oder Anwendungsdauern zu welchen Effekten führten. Die Einstufung dieses Forschungsstands wird insgesamt als vielversprechend bewertet, was jedoch angesichts der begrenzten und heterogenen Datenlage mit Vorsicht zu betrachten ist. Weitere, methodisch einheitlichere Studien wären notwendig, um belastbarere Aussagen treffen zu können.
Pflanzenstoffe (pflanzliche Wirkstoffe zur Beeinflussung des Mikrobioms)(1 Studie(n), davon 1 am Menschen) – Pflanzenstoffe zur Beeinflussung des Mikrobioms bei ME/CFS gelten als vielversprechend, basierend jedoch auf lediglich einer Studie am Menschen. Es handelt sich um einen systematischen Review mit 790 Teilnehmenden, der verschiedene Darmmikrobiom-Interventionen zusammenfasst. Pflanzenstoffe waren darin ein Teilaspekt, ihre Wirkung wurde jedoch nicht separat ausgewertet, sodass keine eigenständige Aussage zu ihrer spezifischen Wirksamkeit möglich ist. Als Einschränkungen werden das Fehlen einer getrennten Analyse der Einzelinterventionen sowie die geringe Größe und Heterogenität der eingeschlossenen Studien genannt. Negative Befunde wurden nicht berichtet. Insgesamt ist die Datenlage sehr begrenzt: Eine einzelne Übersichtsarbeit erlaubt keine gesicherten Rückschlüsse darauf, welchen konkreten Beitrag Pflanzenstoffe im Vergleich zu anderen Mikrobiom-Interventionen leisten.
YC-1101 (enzymatisch aufbereiteter Hirschgeweih-Extrakt)(1 Studie(n), davon 1 am Menschen) – YC-1101, ein enzymatisch aufbereiteter Hirschgeweih-Extrakt, wurde bislang in einer einzigen Studie untersucht, einer randomisierten kontrollierten Studie an 100 Menschen. Nach 8 Wochen zeigte die YC-1101-Gruppe im Vergleich zu Placebo Verbesserungen bei allgemeiner und körperlicher Erschöpfung, bei Aussagen wie „Ich fühle mich müde“, leichte Besserungen bei Motivation und alltäglichen Einschränkungen durch Müdigkeit sowie eine etwas längere Strecke im Ausdauertest bis zur Erschöpfung. Es traten keine Nebenwirkungen auf, die Anwendung wurde als sicher eingestuft. Die Effekte waren statistisch nachweisbar, aber moderat. Negative Befunde wurden in dieser Studie nicht berichtet. Einschränkend gilt: Es handelt sich um eine kleine, kurze Studie mit ersten klinischen Daten zu diesem speziellen Extrakt, die Effektstärke war moderat, die Übertragbarkeit auf ME/CFS im engeren Sinn ist unklar, und es lässt sich daraus keine Behandlungsempfehlung ableiten.
Vitamin-D-Präparate (alleinige Gabe)(1 Studie(n), davon 1 am Menschen) – Zu Vitamin-D-Präparaten als alleiniger Gabe bei ME/CFS liegt bislang eine Studie am Menschen vor, eine randomisierte kontrollierte Studie mit 45 Teilnehmenden mit nachgewiesenem Vitamin-D-Mangel. Nach 12 Wochen zeigte sich eine geringere Symptomverringerung (im Schnitt -1,2 Symptome) als in der Vergleichsgruppe, und nur eine von 45 Personen erfüllte am Ende die ME/CFS-Kriterien nicht mehr. Auch der Vitamin-D-Spiegel stieg geringer an als in der Begleitgruppe. Die Studie war offen und nicht verblindet, es gab keine reine Placebo-Kontrolle, und die Ergebnisse deuten auf eine geringere Wirksamkeit im Vergleich zu einem multimodalen Programm hin. Negative Befunde im engeren Sinne wurden nicht berichtet. Insgesamt handelt es sich um eine einzelne Studie mit eingeschränkter Aussagekraft, die nur begrenzte Rückschlüsse auf die Wirkung von Vitamin D allein zulässt.
Ohne nachgewiesene Wirkung oder mit Hinweis auf Schaden
Vitamin E(1 Studie(n), davon 1 am Menschen) – **Vitamin E**
Zu Vitamin E liegt eine Studie am Menschen vor, die als „ohne Wirknachweis" eingestuft wird. Untersucht wurde der Zusammenhang zwischen Vitamin-E-Spiegeln und ME/CFS-Symptomen. Zwar fand sich in einigen Studien ein niedrigerer Vitamin-E-Spiegel bei Betroffenen, dieser Unterschied verschwand jedoch, wenn nur qualitativ hochwertige Studien betrachtet wurden. Insgesamt zeigte sich kein konsistenter Zusammenhang zwischen Vitamin E und Symptomschwere oder Lebensqualität – der Befund war negativ. Als Einschränkung ist zu nennen, dass die Studienqualität häufig niedrig und die Ergebnisse stark heterogen waren. Daher liegen keine belastbaren Hinweise darauf vor, dass ein Vitamin-E-Mangel eine Ursache von ME/CFS-Symptomen ist oder dass eine Supplementierung mit Vitamin E wirksam wäre.
Vitamine und Mineralstoffe (allgemein)(1 Studie(n), davon 1 am Menschen) – Zu Vitaminen und Mineralstoffen (allgemein) bei ME/CFS liegt bislang eine Studie am Menschen vor, die sich mit dieser Nahrungsergänzung befasst. Der Befund darin war negativ: Die untersuchten RCTs zur Supplementierung von Vitaminen bzw. Mineralstoffen zeigten keine klinischen Verbesserungen. Insgesamt fand sich kein konsistenter Zusammenhang zwischen einzelnen Vitaminen oder Mineralstoffen und der Symptomschwere oder der Lebensqualität der Betroffenen. Einschränkend ist zu nennen, dass die Qualität der zugrunde liegenden Studien häufig niedrig war und die Ergebnisse stark heterogen ausfielen. Daher liegen keine belastbaren Hinweise darauf vor, dass Mangelzustände bei ME/CFS ursächlich eine Rolle spielen oder dass eine Supplementierung wirksam ist. Aufgrund der geringen Studienzahl und der genannten methodischen Schwächen ist die Einstufung dieser Behandlung als „ohne Wirknachweis“ derzeit die angemessene Beschreibung des Forschungsstands.